Sehnsucht
Manchmal schenkt uns das Leben einen Augenblick
nach dem wir gar nicht gesucht haben.
Es war eine stille Nacht an der Nordsee. Das Watt lag dunkel und weit vor mir, während über dem Horizont der Mond langsam sein rotes Licht entfaltete.
Ein Blutmond. Fremd und wunderschön zugleich.
Ich stand einfach nur da und sah hinauf.
Dann tauchte plötzlich diese Möwe auf.
Sie flog durch die Nacht, allein, leicht und unbeirrt. Für einen kurzen Moment schien es, als hätte sie nur ein Ziel: den Mond.
Ich weiß, dass sie ihn niemals erreichen würde.
Und trotzdem sah es so aus, als würde sie es versuchen.
Vielleicht liegt genau darin etwas, das uns Menschen so tief berührt.
Wir wissen, dass manche Dinge unerreichbar sind. Manche Wünsche bleiben Wünsche. Manche Wege führen nicht dorthin, wo wir sie gerne hätten. Und trotzdem fliegen wir los.
Immer wieder.
Vielleicht, weil es nicht darum geht, den Mond tatsächlich zu erreichen.
Vielleicht geht es mehr darum, den Mut zu haben, ihm entgegenzufliegen.
Ich drückte den Auslöser genau in diesem Augenblick.
Nur eine Sekunde später war die Möwe verschwunden. Der Mond blieb.
Aber auf meinem Foto blieb auch dieser kleine Flug.
Und manchmal schaue ich es an und denke:
Vielleicht wusste die Möwe etwas, das wir längst vergessen haben.
Dass es schön sein kann, einem Traum entgegen zu fliegen, selbst dann, wenn man nicht weiß, ob man ihn jemals erreichen wird.
Vielleicht erreicht sie ihn ja doch.

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